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/ SCHÖNHEIT GEHT DURCH DIE NASE

Schönheit bewegt die Welt. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil niemand genau erklären kann, was das ist: Schönheit. Jeder weiß, wie es ist, etwas Schönes wahrzunehmen, aber niemand weiß, was es ist. Seit 2500 Jahren grübeln die Philosophen darüber. Platon sprach um 400 vor Christus vom „Wahren, Schönen, Guten“ – das war für ihn der Dreiklang der allerhöchsten geistigen Werte. Immanuel Kant sinnierte um 1800 über „interesseloses Wohlgefallen“ – sein Kriterium für die Wahrnehmung von Schönheit. Aber das Schöne bleibt rätselhaft wie eh und je. Warum finden wir dieses Gemälde schön oder jenen Menschen, einen anderen aber nicht? Warum töten manche Menschen für Schönheit, ändern ihr Leben oder gehen gar selbst in den Tod? Niemand kennt die Antwort. Schönheit bringt keinen unmittelbaren Nutzen. Man kann sie nicht essen, sich nicht an ihr wärmen, sie nicht in Gold aufwiegen. Gerade das macht die Faszination der Schönheit aus. Sie ist eine Kategorie ganz für sich, sie ist mit nichts anderem vergleichbar. Schönheit hat ein Eigenleben.

Nicht nur Philosophen, sondern auch Wissenschaftler versuchen immer wieder, das Rätsel der Schönheit zu knacken. Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main messen Schönheit mit Kameras und Hautsensoren. Sie verkabeln Versuchspersonen, legen ihnen etwas Schönes vor und verfolgen dann die Ausschläge ihrer Gehirnströme, die Leitfähigkeit ihrer Haut, ihre Augenbewegungen und ihre Herzfrequenz. Schönheit lässt das Herz schneller schlagen, sie macht feuchte Hände und eine Gänsehaut. So können die Wissenschaftler sehr zuverlässig erkennen, ob jemand etwas als schön erlebt. Aber das Erlebnis selbst können sie nicht erklären. Biologen der Universität Stockholm haben bei Versuchen mit Hühnern festgestellt, dass auch das Federvieh einen Sinn für Schönheit hat – der dem menschlichen Schönheitsempfinden verblüffend gut entspricht. Die Hühner pickten am liebsten auf Fotos von Menschen herum, die auch von anderen Menschen als schön wahrgenommen werden. Das Phänomen Schönheit scheint also eine biologische Grundlage zu haben, die über die menschliche Art hinausgeht. Aber was sagt das schon über das Wesen der Schönheit? Nicht viel!

Noch rätselhafter wird es bei der Schönheit von Düften. Ob ein Duft in unserem Bewusstsein ein „interesseloses Wohlgefallen“ weckt oder nicht, mag sich mit Sensoren messen lassen. Mit Logik oder Wissenschaft vorhersagen lässt es sich nicht. Die Gehirnareale, die eine Geruchsempfindung ins Bewusstsein bringen, gehören zu evolutionsgeschichtlich uralten Teilen unseres Denkorgans, älter als die Sprache. Daher fällt es uns oft schwer, Düfte mit Worten zu beschreiben, wir können sie allenfalls mit anderen Düften vergleichen. Noch schwerer lässt sich ausdrücken, warum ein Duft schön ist oder nicht. Das ist, was die Kreation von Düften so spannend macht: zu einer Kunst.

Tobias Hürter
Stv. Chefredakteur HOHE LUFT