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2018

/ AUSZUG AUS AUF DEM PARKETT. KLEINES HANDBUCH DES WELTLÄUFIGEN BENEHMENS: „SOIREE“

Auch wenn es zu jeder Tageszeit auf gute Manieren ankommt, zeigt sich die ganze Vielfalt menschlichen Benehmens oft erst in den Abendstunden. Sehr zum Leidwesen der Matinee.

Die Soiree – oder auch Abendgesellschaft – ist ein Gesamtkunstwerk, das eine oder mehrere Kunstformen umfasst. Zum Beispiel ein um Rezitationen bereichertes Hauskonzert, das auch als sog. Wandelkonzert ausgestaltet sein kann. Dabei erstrecken sich die Darbietungen auf verschiedene Säle und die Gäste lustwandeln von einer Aufführung zur nächsten. Wenn die einzelnen Stationen räumlich klar getrennt sind, ist es besonders reizvoll, mehrere Gruppen zu bilden und sie parallel durch den Parcours zu bitten – vorausgesetzt, alles ist gut koordiniert.

Tod einer Soiree ist die Langeweile. Deshalb kommt es auf ein richtiges Arrangement an. Die Gastgeber müssen sich als Regisseure in der Auswahl aufeinander abgestimmter Stücke beweisen. Vor allem sollten sie kurz sein. Hier werden die meisten Fehler gemacht. Der Abend muss darauf angelegt sein, sich wie von selbst zu entfalten. Programmhefte sind nicht erforderlich, Proben dafür aber unverzichtbar.

Auch ist eine passende kulinarische Umrahmung, etwa in Gestalt eines Tees, eines Buffets oder eines Stehempfangs, unerlässlich. Im Vergleich zu einem gesetzten Essen (Diner, Souper) ermöglicht die Soiree einen zwangloseren Umgang mit mehreren Gästen.

Bälle – früher oft auch „Ball mit Souper“ genannt – gehören zu den „großen Soireen“, werden heute aber kaum noch so bezeichnet. Wegen des gesellschaftlichen Charakters wird man zu einer Soiree grundsätzlich mit Partner eingeladen. Wie stets gibt die Formulierung der Einladung darüber Aufschluss, wozu eingeladen wurde und welche Form der Abendgarderobe angemessen erscheint (Kleidung). Wenn keine besonderen Kleidungsempfehlungen – Frack, Smoking, Uniform, selten: Soutane – vorliegen, ist der Herr mit einem dunklen Anzug, schwarzen Schuhen und die Dame mit einem kurzen Kleid (oder aber einem Kostüm) richtig gekleidet. Herren sollten in jedem Falle eine andere Krawatte als am Tage tragen.

Dr. Enrico Brissa
Jurist und Autor des Buches „Auf dem Parkett. Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens“; Siedler; 2018; 272 Seiten; Illustrationen von Birgit Schössow.