Fragrance Foundation Deutschland e.V.

/ DIE SCHÖNEN DINGE DES LEBENS

Ein Duft, der verzaubert. Ein perfekt geschnittenes Kleid. Oder eine Fotografie, die so sehr fasziniert, dass man sich davon kaum lösen kann. Die schönen Dinge des Lebens sind weit mehr als nur oberflächliche Hobbys. Schönheit und Ästhetik stellen menschliche Grundbedürfnisse dar. Wir brauchen sie nicht nur, wir haben sie bitter nötig. Denn je mehr Zeit wir auf diesem Planeten verbringen, je mehr wir von der Welt sehen und erfahren, desto nüchterner fällt unser Urteil aus. Diese Welt ist einfach nicht so, wie sie sein sollte. Harmonisch. Gerecht. Von Sinnhaftigkeit erfüllt. Diese Welt ist im Gegenteil ziemlich widersprüchlich. Unverständlich. Gerade heute erleben wir wieder intensiv, was der Philosoph Ernst Bloch (1885 - 1977) die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ nannte. Digitalisierung und Globalisierung bewirken in rasendem Tempo gesellschaftliche Veränderungen, die viele verunsichern. Algorithmen, selbstfahrende Autos, Fake News? Wir versuchen den Überblick zu behalten. Bemühen uns, mitzuhalten, uns anzupassen. Strengen uns an, uns für den Job selbst zu optimieren und für den Partner „perfekt“ zu sein. Aber ist es das, worum es im Leben wirklich geht?

Leben ist kein Programm, das von außen passiv vorgegeben wird – sondern etwas, das aktiv gestaltet sein will. „So wie Holz das Material des Zimmermanns und Bronze das des Bildhauers ist, so ist das Material der Lebenskunst das Leben jedes Einzelnen“, schrieb der stoische Philosoph Epiktet (50 - 138 n. Chr.). Er sah die menschliche Existenz als eine Art Rohmasse an, die man wie ein Künstler bearbeiten muss, um am Ende eine „schöne“ Gestalt hervorzubringen. Er erkannte: Das Leben selbst macht nicht „schön“ – aber wir können ihm ein attraktives Gesicht geben, indem wir jede noch so schwierige Situation kreativ und mutig gestalten.

Wir müssen die Welt, wie sie ist, nicht akzeptieren. Wir können sie verändern. Jeden Tag. Wenn wir vernünftige Argumente produzieren, gegen die Pseudofakten keine Chance haben; wenn wir uns gegen andere fair und vertrauensvoll verhalten (oder ihnen zumindest ein Lächeln schenken); und wenn wir uns mit schönen Dingen umgeben, die uns inspirieren, unsere Fantasie anregen, uns und andere glücklich machen. Denn das ist es doch, wofür wir alle leben: die Glücksmomente, in denen wir glauben, fliegen zu können. In denen sich die Enge des Alltags plötzlich weitet. Und uns ein Stück Unendlichkeit geschenkt wird.

Dr. Rebekka Reinhard,
Philosophin